Imaginiertes Antidot

Wir kennen den abwertenden Wortschwall unserer inneren Teile, die uns weismachen wollen, dass wir nicht genügen, nicht passen, nicht richtig sind.

Bei Veränderung kann dieser Wortschwall zu einer regelrechten Dauerbeschallung werden. 

Die gängigen Tipps: 

  • Unterbrechung,
  • Annehmen,
  • oder positive Persönlichkeitsteile stärken.

Jede dieser Vorgehensweisen hat aber seine Tücken. Wird zu viel unterbrochen, entsteht Ablehnung, die bewirkt, dass sich dieser Teil häufig noch öfters und nerviger zeigt.

Beim Annehmen ist die Gefahr, dass man dem Teil zu viel Platz einräumt, der ihm einfach nicht zusteht.

Und die dritte Variante ist besonders kompliziert, weil man oft vollkommen überfordert ist die positiven Seiten in einem zu stärken. Ich meine genau deswegen hat man ja das Problem.

Ich glaube aber, dass die Mischung besonders effektiv ist, wenn man schon ein bisschen ein Gespür aufgebaut hat, wann, was, wie passen könnte.

Zum Beispiel habe ich persönlich schon tausendmal gelesen, dass Affirmationen besonders toll sein sollten, also positiv formulierte Sätze, die immer wieder wiederholt werden, bis sie dann endlich mal vom Unterbewusstsein aufgenommen werden.

Jo, das klingt eh super. Auch der Satz: „Ich bin liebenswert.“ Aber so richtig glauben kann ich das oft doch nicht und das weiß mein Unterbewusstsein ganz genau, das kleine Teufelchen ;).

Auch die genaue Formulierung macht extrem(!) viel aus, es darf kein einziger Triggerpunkt enthalten sein. Wie merke ich das? Es funktioniert einfach nicht.

Wenn ich zum Beispiel aufschreibe und dann vorlese: „Ich werde mich bemühen, dass ich meine Pläne verwirkliche.“

Kann alleine das Wort „bemühen“ bei mir der ausschlaggebende Triggerpunkt sein, weil ich ja sowieso immer glaube mich bemühen zu müssen, damit mich endlich wer liebt. Also ist dieser Satz kontraproduktiv!

Auch „Ich bin gut genug.“ löst bei mir was Negatives aus. Gut genug für was? Usw.

Ich persönlich mag keine kurzen Sätze, weil es wirkt, als würde ein ABER nur weggestrichen worden sein. Einfach damit es halt ein positiv formulierter Satz ist.

Zweitens sollten diese Sätze realistisch sein. Wenn ich noch nicht ganz glauben kann, dass ich wertvoll bin, dann sollte ich den Satz zum Beispiel so formulieren: „Ich werde Schritt für Schritt mehr sehen, dass ich wertvoll bin.“

Drittens, alles was sich nicht passend anfühlt einfach weglassen. Das Wort „wertvoll“ ist bei mir schon so schlecht besetzt, dass ich es nicht mal mehr positiv verwenden kann und ehrlich gesagt auch nicht will. Ich habe einen Wert, immer, Ende.

Dies sind meine Sätze:

Ich bin ein Mensch wie jeder andere, der wichtig ist, Gefühle hat und eine eigene Meinung.

Andere Menschen sind gern mit mir zusammen und freuen sich, wenn es mir gut geht.

Ich sehe immer mehr, dass ich Fähigkeiten habe, liebenswert bin und anderen etwas zu zeigen habe.

Ich entscheide mich dafür glücklich zu sein und nehme meine Wünsche und Träume ernst.

Ich nehme mich und all meine Anteile ernst, und gehe liebevoll mit meinen Schwächen und Fehlern um.

Ich werde Schritt für Schritt selbstbewusster, kann mich so akzeptieren wie ich bin und nehme meine Geschichte an, als etwas was nunmal so war.

Ich werde neue Erfahrungen machen und egal wie diese werden, ich weiß, dass jede davon wichtig ist.

Ich feiere mich für alles was ich schon geschafft habe und erinnere mich regelmäßig an meine persönlichen Fortschritte.

Ich bedanke mich an allen Menschen, die in meinem Leben waren und freue mich auf Kommende.

Meine Gefühle erinnern mich an meinen Weg, auf den ich vertrauen kann und sagen mir, wo ich noch Entscheidungen zu treffen habe.

Ich darf so sein, wie ich bin; für mich gibt es einen Platz, wie für jeden anderen auch.

Ich sehe, dass meine Bedürfnisse wichtig sind, und niemand diese besser erfüllen kann, als ich selbst.

Auch wenn ich heute noch Dinge ohne Sinn sehe, kann sich das ändern und mir zu einem späteren Zeitpunkt sinnvoll erscheinen.

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