Raum der Stille

Vor zwei Tagen habe ich einen Motorradunfall miterlebt. Und obwohl es heftig ausgesehen hatte ist es im Großen und Ganzen gut ausgegangen.

Daraufhin hatte ich einen Traum, der mich zum Nachdenken brachte.

Ich fuhr mit dem Auto auf einer Straße. Es gab mehrere Spuren, fast jede befahren. Nur eine schien recht leer und dort begann plötzlich ein Pfeil zu leuchten, so als würde er sagen wollen: „Fahre hier!“. Ich lenkte zu der Spur und fuhr geradeaus.

Plötzlich sah ich, dass ein Auto mit rasendem Tempo genau in meine Richtung fuhr. Und ich dachte nur: „Oje, ein Geisterfahrer.“

Ich lenkte ein wenig ein und war mir ziemlich sicher, dass der Geisterfahrer rechts neben mir entlangfahren würde. Das war aber nicht der Fall, egal wohin ich lenkte, er lenkte auch genau dorthin. Und plötzlich war er kurz vor mir und ich wusste ich komme da nicht mehr raus. Bumm!

Alles war von einer Sekunde auf die andere weg. Nichts war mehr da.

Ich überlegte, ob ich jetzt tot sei.

Ich überlegte, ob ich bewusstlos sei und gleich aufwachen würde und dann höllische Schmerzen hätte.

Aber es war einfach alles weg, alles still.

Und dann wachte ich auf. Ich hatte keine Schmerzen. Ich sah andere Leute, die versorgt wurden. Was mit mir war wusste ich nicht. War ich noch im Schock? Spürte ich deswegen nichts, oder fehlte mir überhaupt etwas?

Ich war einfach nur froh, dass es anscheinend gut ausging.

Der Traum vermittelte mir irgendwie, dass manche Dinge nunmal geschehen.

Sie passieren einfach.

Aber wie weit ich sie annehmen kann verändert mein Befinden.

Ich nahm an, dass ich tot sein könnte.

Ich nahm an, dass ich mit Schmerzen aufwachen könnte.

Ich nahm es hin.

Es war so wie es ist.

Ein Unfall.

Würde ich nie wieder aufwachen, dann wäre das so.

Würde ich bewusstlos bleiben, dann wäre das so.

Würde ich aufwachen und verletzt sein, dann wäre das so.

Aber was viel interessanter war, war dieser Raum der Stille.

 

 

Ich existierte irgendwie, und irgendwie nicht.

Für einen Moment war alles weltliche weg.

Und ich hatte weder Kontrolle über mein Leben, noch den Wunsch danach.

Als wäre ich befreit worden davon.

Befreit davon, es richtig machen zu müssen.

Befreit davon, es falsch machen zu können.

Der nächste Schritt wird nicht meiner sein. Er wird passieren wie er passiert.

Was wäre, wenn ich dieses Gefühl mitnehmen könnte? Wenn ich loslassen könnte davon, dass nur ich es bestimmen könnte, was richtig ist. Obwohl ich es ja gar nicht weiß. Was wäre, wenn ich nur aufgeben müsste? Was wäre, wenn ich es nie richtig machen könnte, egal wie viel ich mich bemühe? Was wäre, wenn mein Bemühen schon Sackgasse ist? Was wäre, wenn ich annehmen würde, dass ich weder über alles Kontrolle haben kann, noch, dass ich Schuld daran habe, wenn ich sie nicht habe? Was wäre, wenn ich erkennen könnte, dass manche Dinge einfach wie ein Unfall sind? Müsste ich mich dann dafür schämen? Schämen, dass mir das passiert ist? Schämen, dass ich keine Kontrolle darüber hatte? Oder könnte ich zurück in den Raum der Stille und einfach abwarten was als nächstes kommt? Und schauen wohin mich das Leben trägt?

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