Schiffswrack

Ich habe mich auf die Suche gemacht. Habe mich aufgemacht. Bin losgegangen.

In mir der Drang eine Lösung zu finden.

Die eine Lösung, die Erlösung werden sollte.

Ein zertrümmertes Bild, welches sich zu einem homogenen Gebilde zusammensetzt.

Habe keine Untiefen ausgelassen. Bin keinem Chaos entkommen.

In mir so viele unerledigte Dinge. So viele aufschwappende Emotionen. 

Und das Gefühl, dass es nie aufhören wird. Mein Leben schon verwirkt, bevor es richtig begonnen hat.

Mein sicherer Hafen eine Fata Morgana. Mein eigenes Schiff manövrierunfähig und in den Abgrund sinkend.

Egal was ich versuchte, es entglitt mir und verschwand im Dunklen.

Was ich zu dem Zeitpunkt war, weiß ich nicht.

Was ich jetzt bin, weiß ich nicht.

Vielleicht wusste ich es nie.

Und wäre es möglich gewesen, hätte ich mich am liebsten in Luft aufgelöst.

Habe mir gewunschen, dass meine Existenz nie zustande gekommen wäre.

Ich sah weder Sinn noch Hoffnung in meinem Leben.

Eine endlose Wiederholung ohne die Möglichkeit auf Veränderung.

Und dann diese Wut, dass ich mir dieses Leben nie ausgesucht habe.

Dieser Schmerz, diese zerbrochenen Teile alle mit mir herumschleppen zu müssen.

Wie schön muss vergessen sein.

Wie wunderschön muss es sein, wenn man einfach nur im Moment sein könnte.

Ein Moment folgend auf den anderen. Ganz simpel.

Aber Ungeheuer schlafen nie lange, und wenn sie munter sind, sind sie hungrig.

Und sie wollen alles und jetzt. Gierig greifend nach der Lebendigkeit. Verschlingend, schmatzend, hockend auf dem Thron. 

Bis man selbst wieder als ausgeblutete Hülle zurückbleibt. Versinkend im Dunkeln.

Ich habe gesucht und gesucht, nach einem Gegenmittel gegen diese Ungeheuer.

Ich wollte nicht aufgeben, wollte ihnen die Genugtuung des Sieges nicht gönnen.

Dann kam die Hilflosigkeit und die Erkenntnis, wie naiv ich bin. Naiv, wie ein kleines Kind. Aber nicht nur ich, wir alle. Sind wir nicht alle so naiv, zu glauben, dass irgendwann Rettung kommt? Irgendwann die langverwehrte Liebe? Irgendwann alles gut wird. Naiv zu glauben, dass man nach so viel Schmerz ein Leben ohne Schmerz verdient hätte?

Und soo naiv zu glauben, dass Beziehungen ohne Verletzungen sein könnten. Und so verdammt naiv, zu glauben, dass andere Menschen fehlerfrei sein könnten. Und so unglaublich naiv, zu glauben, dass alles immer mit einem selbst zu tun haben könnte.

Wenn es Rettung gibt, dann nur von einem selber. Niemand weiß besser, wo dein Schiff untergegangen ist und wie es richtig zu bergen ist. Man selbst ist die einzige kompetente Instanz die notwendig ist.

Lass dir von niemanden sagen, was zu tun ist! Lass dir von niemanden sagen, was richtig für dich ist, oder was falsch! Lass dir nicht gefallen, dass andere dir ihren Weg aufdrängen! Lass dich nicht drängen, lass dich nicht beschämen von saublöden Ratschlägen! Vergiss was dir die Welt da draußen über dich sagt! Denke daran, dein Leben geht nur dich was an! Keiner wird jemals fühlen, wie es ist du zu sein, keiner wird jemals verstehen, was es wirklich bedeutet jeden Tag aufs Neue mit deiner Welt in dir aufzuwachen.

Ich möchte keine Sekunde mehr damit verschwenden nach etwas zu suchen was es nicht gibt. 

Niemand wird mir jemals einen Platz auf dieser Welt geben. Der Himmel wird sich nicht auftun und es wird keine segnende, gütige Hand herausgleiten und mir einen Platz ebnen. Es wird mich keiner anlächeln und sagen: „Hier, schau, das ist für dich. Hier darfst du sein.“

Nö.

Wir müssen uns das kratzende Tau selbst um die Beine binden, und unser versunkenes Schiffswrack mit eigener Kraft vom tiefsten Punkt nach oben befördern. Und wenn uns die Luft ausgeht, dann müssen wir rauf, üben und nochmal runter. Immer und immer wieder, bis es klappt.

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