Attentat

Oft habe ich überhaupt keine Lust zu schreiben. Ich denke mir: Wen interessiert das!? Für was mache ich das überhaupt ?!

Und ganz ehrlich betrachtet, es interessiert wahrscheinlich wirklich niemanden. Und vielleicht hat es wirklich keinen größeren Sinn. Vielleicht sind es einfach nur schwarze Striche auf einem weißen Hintergrund. Unbedeutende, veraltete, unzusammenhängende Hieroglyphen. Oder wirres Herumgetippe. Vielleicht sitze ich ja in Wahrheit hier und tippe wild auf irgendwelche Tasten. Und bilde mir nur ein, dass sich daraus wunderbare und aussagekräftige Sätze abbilden.

Aber vielleicht sind es wirklich Zeichen die ich wähle, die von anderen entschlüsselt werden können. Und ja es besteht auch die Möglichkeit, dass es jemanden interessiert. Ja, es besteht auch die Möglichkeit, dass es einen Menschen auf dieser Welt gibt, der genau die selben Gedanken hat.

Es gibt so viele Möglichkeiten. Aber darüber zu spekulieren bringt nicht sehr viel. Das Einzige was ich messen kann, ist das was ich sehe. Und ich sehe eine Seite, die unberührt scheint. Ich sehe Wörter die unschuldig vor sich hin verstauben. Sie existieren, also für mich. Aber sie werden nicht gesehen, werden nicht verstanden, werden nicht aufgenommen, werden nicht be-griffen.

Aber was soll´s. Die Wörter sind nur Wörter. Es gibt so viele Wörter die in Bibliotheken verstauben. So viele weise Gedanken, die nie nachvollzogen wurden. So viele Märchen die nie im Geiste durchlebt wurden.

Diese Wörter sind ja nur ein Ausdruck einer Person. Sie sind ja nur ein synaptischer Fingerabdruck. Also ein Abdruck der neuronalen Verschaltungen eines Menschen. Es ist also eine Weltkarte einer Person, mit seinen Gefühlen, Wünschen, Ängsten, Erfahrungen und Vieles mehr. Wieso sollte man sich sowas vor der Nase ausbreiten? Warum sollte man diesen Abdruck spannend finden?

Kann ich nur zustimmen. Ich will auch nicht von jedem wissen, was in ihm vorgeht, was er will oder was er wirklich ist. Manche Menschen interessieren mich einfach nicht. Und genau diese Bücher lese ich auch einfach nicht. Man sucht sich doch Bücher aus, wo man selbst berührt wird, wo man Ähnlichkeiten erspürt. Ähnliche Sehnsüchte oder Sorgen. Man sucht einen Freund. Man sucht einen Gleichgesinnten. Und man sucht Neues, sonst würde man einfach mit sich selbst reden. In meinem Fall suche ich auch ein klein wenig Nervenkitzel, eine brise Brutalität.

Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.

Franz Kafka

Brutalität. Das ist ja ein perfekter Moment für eine Überleitung.

Was maßen sich eigentlich andere Menschen an, andere zu beurteilen?!

Und was zum Kuckuck maße ich mir selbst an, mich zu beurteilen?!

Das ist schon ein heftiger Anspruch der da gestellt wird, ohne Berechtigung!

Ich muss heute mit Erschrecken feststellen, dass ich mir mein eigener größter Feind war. Oder besser gesagt, ist ein Teil von mir mein größter Feind. Ich habe schon einmal über ihn geschrieben, der „Bazillen-Diktator“. Ist er nicht Erinnerung an Worte, an Blicke, an Einflüsse? Er ist der Schleier der sich über dein Wesen legt und dich glauben lässt, dass du bist wie du gesehen wirst. Er ist die Anmaßung in Person. Er ist das größte Übel. Er dominiert und beherrscht dich.

Er ist der verzerrte Spiegel, indem du dich jeden Tag betrachtest. Er kann in dir nur ein rissiges Selbstbild hinterlassen. Das Bild was er dir aufzwingen will.

Ich habe versucht ihm mit puren Verstand entgegenzutreten. Habe versucht ihn zu verstehen, ihn zu analysieren. Habe versucht Macht über ihn zu gewinnen. Aber nur weil wir es sehen, heißt das nicht gleich, dass wir es begriffen haben. Dass wir es verinnerlicht haben.

Manche Dinge lassen sich nicht an den Grenzen bezwingen. Wir müssen vielmehr hineinschlüpfen und innerlich so viel wachsen, bis wir das Äußere verdrängen und wegsprengen. Wir müssen quasi das Widerliche resorbieren und danach transformieren.

Sich in die Hölle hineinfallen lassen. Aktiv eklig Schmeckendes einsaugen. Und dann daraus etwas Neues erschaffen. Ein Schöpfungsprozess.

Hat nicht alles einen Energiegehalt? Kann mich nicht auch bitter Schmeckendes nähren? Ist nicht auch ein Schlag eine Energie, die ich zur Pirouette nutzen könnte?

Jetzt bin ich wieder unbewusst in der masochistischen Ecke gelandet. Das ist anscheinend genau mein Thema. Wohin sonst mit meiner Energie? Wenn sie nicht raus kann, dann richtet sie sich halt irgendwann gegen mich.

Ich kann jetzt immer mehr verstehen, warum diese Energie nicht raus kann. Aber was soll ich jetzt damit anfangen?

Es ist schon traurig, dass man geboren wird, und einfach ist. Um danach so verformt zu werden, dass man im Endeffekt gar nicht mehr weiß, wer man ist. Und wenn man dann den Drang hat sich zu recken, wird einem das so vermiest, sodass man beginnt die Energie gegen sich selbst zu richten. Bis man dann als “krank“ eingestuft wird. Und dann nicht nur nicht mehr weiß wer man ist, sondern sogar glaubt, dass man “krank“ ist. Ziemlich ekelhaft.

Das Einzige was da hilft, ist darauf zu scheißen. Unnützes Zeug einfach entleeren. Der Körper macht das ja auch ständig automatisch, also muss das doch mein Geist auch können. Klingt jetzt derb, aber ja, Gehirn-Scheißerei. Einfach raus und im Klo runterspülen.

Komischerweise ist das aber nicht so einfach. Es ist eher wie ein Parasit, der sich mit seinen Widerhaken in mein Fleisch reingekrallt hat. Da hilft vielleicht wirklich nur noch eine Operation, beziehungsweise Tantchen Skalpell.

Oder ich infiziere den Parasiten mit einen klitzekleinen, unscheinbaren Virus. Genau, ich schenke dem Parasiten einfach ein flauschiges Plüschtier, mit dem er knuddeln kann. Und mit der Zeit löst sich das Fell vom Kuscheltierchen, wird vom Parasiten eingeatmet und er erstickt an den feinen, toxischen Härchen. Eine Infiltration, eine Sabotage in feindlichen Strukturen.

Ich könnte auch allgemein den Parasiten zu Tode kuscheln. Denn da würde er am Anfang nicht flüchten, und sich nicht wehren. Und dann erhöhe ich einfach immer mehr den Druck, oder mache das einfach so lange, bis er vor Erschöpfung stirbt. Todesfalle: Liebe.

Wow, das ist schon echt hinterhältig. Aber könnte funktionieren. Er macht es ja ähnlich.

Ich könnte ihm auch leckere Kekse anbieten. Mästen bis er platzt.

Könnte mit ihm ein paar Gläschen trinken. Aus ein paar wenigen, wird immer mehr. Bis er durch das Nervengift stirbt.

Ich könnte ihn auch bezahlen dafür, dass er bei mir ist und so tolle Dienste verrichtet, bis er sich vollkommen wertlos fühlt.

Ich könnte auch mit ihm ein paar Pornos schauen. Ihn zum Masturbieren anheizen, bis er ein lustloser Zombie wird, und von meinem Körper einfach resorbiert wird.

Oder ich könnte ihm Zeitschriften mitbringen, wo dürre Models abgebildet sind. Und er von sich alleine aufhört zu essen, bis er sich quasi selbst aufisst.

Oder ich könnte ihm einfach permanent einflüstern: „Du bist wertlos. Du gehörst hier nicht hin.“ Bis er sich einfach selbst umbringt. Könnte ja noch so “zufällig“ ein Messer liegen lassen. Oder eine depressive Geschichte erzählen.

Also diese Liste könnte man noch weiterspinnen, aber es sind eben nur Spinnereien. Oder?

Wichtig ist die Lokalisierung des Feindes. Naja, wenn man einen Anschlag verüben möchte, muss man zuerst einmal wissen, wo sich der Feind aufhält. Also, Koordinaten sind verzeichnet, Position ist eingenommen, Zielfernrohr ist eingestellt, Gewehr ist geladen, Munition liegt bereit, Wetterbedingungen sind okay, Zielobjekt ist im Visier, Entfernung und Windverhältnisse wurden einkalkuliert und austariert, Unschuldige wurden in Deckung gebracht, Fluchtweg wurde verinnerlicht und gesichert, Angst wurde kanalisiert, Wahrnehmung wurde fokussiert, alles zum Abschuss bereit…

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