Bindungen

Wie schon beim Beitrag „Selbst-Konstruktion“ geschildert beeinflussen uns die Interaktionen mit anderen Menschen. So sehr, dass sogar unsere Persönlichkeit darauf aufgebaut ist. Aber wie verhält sich das mit einem weiteren nicht ersichtlichen inneren Vorgang: der Bindung?

Wir entwickeln in unserer Kindheit Bindungen zu unseren Bezugspersonen. Diese können grob eingeteilt werden, in eine sichere Bindung und in verschiedene Varianten von unsicheren Bindungen.

Umso zugewanderter, verlässlicher und einfühlender unsere Bezugsperson war, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir eine sichere Bindung zu ihr entwickelt haben.

Diese Art der Bindung ermöglicht also einem Kind sich sicher zu fühlen. Und wenn es Angst hat, kann es sich bei seiner Bezugsperson wieder stabilisieren. Das Kind hat durch die Interaktionen zu dieser Person gelernt, dass es aufgefangen wird, getröstet, versorgt und angenommen wird. Dies erzeugt ein inneres Band – die Bindung.

Die Bindung wird zu einem inneren Anker/sicheren Basis. Von hier aus ist es dem Kind möglich sich angstfrei zu entfernen und auf Entdeckungstour zu gehen. 

Im inneren des Kindes bleibt das Bild der Bezugsperson und das verbundene Gefühl damit bestehen. Das Bild ist sozusagen Bezugsersatz, so wie eine Kuscheldecke oder ähnliches. Es ermöglicht dem Kind das Alleinsein auszuhalten und Selbstständigkeit auszuprobieren.

Aus der absoluten Abhängigkeit zur Mutter kann nun zum ersten Mal Autonomie erprobt werden. Und falls was schief läuft kann sich das Kind bei der Mutter wieder emotional aufladen, bis es sich wieder traut einen erneuten Versuch zu wagen.

Das ist der Idealzustand. Häufig schaut das anders aus. Zum Beispiel wenn das Kind der Mutter nicht vertrauen kann, und somit keine sichere Bindung aufbauen konnte. Das Band ist brüchig, instabil, oder im schlimmsten Fall gar nicht vorhanden.

Kinder sind aber Überlebenskünstler, und suchen sich entweder eine andere Bezugsperson oder versuchen das instabile Verhältnis auszugleichen. Man kann davon ausgehen, dass sie alles versuchen werden, um eine annähernde Bindung aufzubauen und zu erhalten. Sie werden sich anpassen, sich kleiner machen oder größer. Werden stiller oder lauter sein. Braver oder aggressiver. Klammernder oder distanzierter.

Im Grunde ist hier jedes Mittel recht, weil es ums Überleben geht. Es geht darum versorgt zu werden, nicht alleine gelassen zu werden und Rückmeldung zu bekommen. Jegliches Unterlassen dieser Handlungen ist Gewalt für das Kind. Weil es Grundbedürfnisse sind, also Grundvoraussetzungen, um überhaupt normal agieren zu können. Da das Kind diese aber nicht selber befriedigen kann ist es abhängig von anderen Personen. Somit hat es weder Schuld wenn seine Bedürfnisse nicht befriedigt werden, noch hat es Schuld wenn es grantig reagiert, weil sie eben nicht befriedigt wurden. Das Verhalten ist eine natürliche Konsequenz und als Ruf nach Liebe zu verstehen.

Diese früheren Bindungserfahrungen sind ständige Begleiter in unserem Leben. Sie können förderlich oder hinderlich sein neue Kontakte zu anderen Personen aufzubauen.

Ob alle diese negativen Erfahrungen überschrieben werden können, ist fraglich. Aber was klar ist, ist, dass Veränderung geschehen kann.

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