Der Bazillen-Diktator (Die Zweite)

Wir werden geboren, wachsen dann in einem Umfeld auf welches uns prägt. Danach kommen weitere Erfahrungen, die uns formen. Und schließlich sind wir erwachsen. Also jetzt körperlich erstmal.

Denn in uns geistern noch immer alte Stimmen und Bilder herum. Viele angekettet an unserer „Persönlichkeit“, oder eben an das was wir von uns selbst denken zu sein. Ein Konstrukt aus Aussagen und Rückmeldungen über uns.

Und jetzt stehen wir da, als Erwachsener. Aber haben oft überhaupt keinen Tau, wer wir eigentlich wirklich sind. Überschattet von unnützen und behindernden Zeug waten wir durch das immer dickflüssigere Moor/Leben.

Okay, ist nicht ganz korrekt, einige Menschen hüpfen unbeschwert von einem Tag zum anderen. Aber eben die meisten Menschen hatten nicht ganz so Glück, die haben noch bissl mehr Ballast zum Schultern. Leider aber eine Last, die sehr schwer zu identifizieren ist. Also quasi ein unsichtbarer Betonklotz oder eben undefiniertes, unantastbares, mega schweres Konstrukt, welches ständig drückt oder zwickt. Lang getragen wird es zu einem Teil von uns. Und ist es auch irgendwie, es sind ja tatsächlich unsere Erfahrungen, nur eben scheiß Erfahrungen. Belastende, Demütigende, Verletzende, grad noch Ertragbare. Vielleicht sind wir sogar stolz auf diese Last oder auf unsere Stärke. Vielleicht ist sogar ein Teil dieses Konstruktes die Aussage: „Du musst stark sein!“ Dann wird es richtig behindert.

Und wie zum Teufel findet man heraus, ob diese Stimme zu einem gehört oder nicht?!

Und wie kommt man überhaupt darauf, dass es eine ganz eigene Stimme ist bzw. nicht zu einem gehören könnte?

Auf meiner Reise bin ich auf den Bazillen-Diktator gestoßen. Aber ich wusste nicht genau, was man mit dem anfangen soll, außer irgendwie versuchen zu vernichten.

Er hat auch einen anderen Namen: Der innere Kritiker. Und was ist jetzt mit dem? Und was macht der so?

Eigentlich sind das die Stimmen von anderen Leuten, aus vergangener Zeit, die noch immer wie ein schlechtes Gewissen über dich und dein Handeln richten. Das könnte auf den ersten Blick ja gar nicht so schlimm sein, schlechtes Gewissen und so, ist ja nix Schlimmes. Aber leider können diese Stimmen sehr sehr aufdringlich und selbstwertmindernd sein. Je schlimmer die Kindheit, desto heftiger diese Stimmen.

Haben dich deine Eltern in der Kindheit angeschrien, wenn du was fallen gelassen hast, dann wird sich das genau wieder bei dir melden (in so einer vergleichbaren Situation) und die dazugehörige Bewertung: „Du Idiot!“

Das zum Beispiel wäre jetzt so ein Teil des unsichtbaren Konstruktes. Du wirst dich immer schlecht in diesen Situationen fühlen, abwertende Stimmen hören und danach abwertende Dinge über dich denken. Und das ganz automatisch, Simsalabim.

Irgendwie ist es ja auch wie ein Zaubertrick, aber ehrlich gesagt ein richtig Beschissener. Wie eine Selbstverletzungsmaschine, Zack-Bumm. Man hat im ersten Moment null Chance das zu durchschauen. Man denkt dann einfach: „Ich bin ein Idiot.“ Punkt, Ende. Das Gefühl sagt es, die Stimme sagt es, also muss es ja richtig sein.

Und das kann praktisch jeder Person passieren, denn es ist einfach eine Verknüpfung im Gehirn, die bei vorhergegangener Wiederholung besonders effektiv ist.

Und jetzt kommt die große Frage, kann man das verändern?

Kann man tatsächlich, aber eben erst, wenn man das mal weiß. Wenn man verstanden hat, dass da noch was Zusätzliches herumhuscht bzw. auf einem sitzt. Diese Info ist also Gold wert, oder Lebensglück wert.

Danach kann man sich als Detektiv austoben, Feind suchen, benennen, beobachten usw. Ist das einmal geschafft muss man hartnäckig „gegen“ diesen kleinen Diktator ankämpfen. Aber nicht versuchen ihn zu vernichten oder ihn anschreien, dass er doch endlich mal die Schnauze halten soll, sondern ihn eher wie einen ungebetenen Gast mit Respekt rausbefördern. Warum? Einfach weil es ein Teil von einem ist und nicht rausgeschnitten oder vernichtet werden kann, denn sonst wehrt er sich gleich noch viel mehr als vorher. Und dazu braucht man paar Fähigkeiten, wie Geduld, Hartnäckigkeit und Selbstachtung/Selbstliebe. Man agiert also weniger gegen das mühsame Konstrukt/Bazillen-Diktator/innerer Kritiker, sondern viel mehr für sich selbst. Und dazu muss man eben das restliche Selbst stärken. Dieses darf sich dann aufbäumen und groß antworten: „Mir egal was du jetzt von mir denkst oder mir an den Kopf wirfst. Ich finde mich sehr liebenswert, auch wenn ich nicht immer perfekt bin. Ich mag mich so.“ („Hier ist die Tür, Adios Amigo!“)

Ob der Zusatz klappt, weiß ich nicht so genau, kann auch sein, dass er dann trotzig wird oder so. Das müsste man halt noch testen ;).

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