Irgendwas

Die Welt betrachtend, in ihr stehend.

Der eigene Blick nach Außen, zu einem Vogel werdend.

Sich selbst sehend, ohne Wirksamkeit.

Das Ich zu einem Objekt geworden, wird es zu seiner eigenen Isolation.

Umgeben von einem schweren Schleier, wirft es sich wie ein Bumerang zurück zu sich selbst.

Die einzige Verbindung, der Blick hinaus und zurück.

Ein Ort der so anders ist, eine Welt die unwirklich scheint.

Ein langsam schwingendes Pendel, das Schwermut anstößt.

Ist es das Erkennen der Getrenntheit?

Ist es Einsicht oder begrabene Aussicht?

Unsichtbar fühlt sich der Reisende über Gesehenes und Gehörtes.

Wie ein Bach fließt alles Wahrgenommene hindurch.

Doch kein Tropfen bleibt haften.

So anders fühlt sich das Nass an.

Wieso können es nicht nur Bilder und Worte bleiben, ohne Farbe?

Warum wird es ein Vergleich?

Warum schwingt das Pendel hin und her?

Warum wird man selbst ein Teil der Betrachtung, der Observation?

Scham ist vielleicht die abrupte Unterbrechung des „Hologramms“ von sich selber.

Die plötzliche Zerstörung des Bildes, welches wir von uns selbst gemacht haben, welches wir in der nahen Zukunft von uns haben wollen.

Wird dieses Bild nicht gespiegelt, sondern wird uns ein ganz anderes Bild vorgehalten, sind wir kurzzeitig sehr verwirrt. Und entblößt, psychisch nackt.

Wir müssen uns sammeln, oder eine Gegenmaßnahme starten. Denn unser Gegenüber hat mit einem Mal unser Sein in Frage gestellt, wer wir eigentlich sind.

Aber wer kann das wissen? Welches Bild ist richtig? Und warum fühlt sich Scham immer so scheiße an?

Scham ist sicherlich einer der effektivsten Prozesse, indem man ziemlich sicher direkt auf sich zurückgeworfen wird. Aber auch ein Prozess der tief verunsichern kann. Und der urteilende Blick des anderen kann sich einnisten. Kann zu einem weiteren Augenpaar werden, wie man sich selbst betrachtet.

Unsere Identität, also das Gefühl zu uns selbst, wer wir sind, entsteht aus Interaktionen mit anderen Menschen, ohne Zweifel. Wir können uns aber diese Interaktionen nur begrenzt aussuchen. Wie können wir also trotzdem unsere Identität wahren? Wie können wir trotzdem entscheidungsmächtig bleiben?

Logisch wäre es, wenn man sich das Hologramm hernimmt und so festigt, dass es praktisch jeglicher Verwirrung standhält. Dann hätte man ein stabiles Selbstbild, Selbstbewusstsein etc. Aber wie arrangiert man das alleine? Da ja dieses Bild durch das Spiegeln mit anderen erst entsteht bzw. vollständig werden kann? Wir brauchen das Gefühl der Verbundenheit, um uns „richtig“ fühlen zu können. Wir wollen spüren, dass wir in der Welt auch wo anders vertreten sind, dass wir praktisch überall existieren.

Fiktiv kann man das sicher mit Meditation oder bestimmten Glaubensrichtungen. Aber nur ein realer Mensch kann uns bezeugen, dass wir gesehen werden.

Nicht umsonst erfinden wir Menschen andere Personen in echter oder gedachter Isolation. Es bewahrt uns davor verrückt zu werden bzw. uns selbst zu verlieren. Es haltet uns in einem Raum der Sicherheit, der Raum der direkten Rückmeldung. Wo jede Aktion von mir eine Reaktion auslöst, genau da fühlen wir uns am Lebendigsten. Wir fühlen uns aktiv und selbstwirksam. Darum ist es manchen Menschen auch ziemlich egal wie diese Rückmeldung aussieht. Auch eine „negative“ Antwort, ist eben eine Antwort. Und umso provokativer man ist, umso höher wird die Chance wahrscheinlich, dass man ignoriert werden kann. Clevere Strategie. Vorerst. Denn langfristig sehr sehr schwierig. Ich nehme an, dass irgendwann ein Verschlechterungseffekt eintreten wird. Auf das Ausweichen der anderen wird sicher mit mehr Einsatz geantwortet werden, was das Ausweichen wieder erhöht usw.

Okay, ich bin jetzt irgendwie abgeschweift.

Eigentlich entstand eine Verwirrung aus folgenden Überlegungen:

  1. Wahrheit ist eine Sache der Perspektive. Ob ich jetzt ein Glas halbvoll oder halbleer wahrnehme, oder ob ich eine Eigenschaft von jemanden als „nützlich“ oder „unnutz“ einstufe, oder ob ich mich sogar selber mangelhaft oder liebevoll betrachte, alles Perspektivsache. Beides ist wahr, je nachdem was für mich (das Subjekt) Priorität hat. Somit kann auch in jeder Diskussion grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass beide Parteien „Recht“ haben. Von ihrem Standpunkt eben ausgesehen. Eine objektive Wahrheit wäre dann für mich, wenn die Personen ihren persönlichen Standpunkt verlassen; sich, ihre Einstellung und die des anderen als Objekt betrachten und dann eine „neue Wahrheit“ kreieren.

2. Selbstbewusstheit ist verknüpft mit Spiegelung. Laut dem bekannten Johari-Fenster müsste man schnell zu der Auffassung kommen, dass wir andere Menschen brauchen, um unsere persönlichen blinden Flecken aufdecken zu können. Ergo, wir brauchen andere, um uns selbst erkennen zu können. Was jetzt nicht so falsch ist, aber mich trotzdem verwirrt. Und da kommt Punkt 3 dazu.

3. Wir brauchen Ähnliches im anderen, um uns überhaupt spiegeln zu können. Wenn das ausfällt, dann beginnen wir eben zu projizieren. Das kann in zwei Richtungen passieren. Entweder wir projizieren Gleiches in den anderen, und erfreuen uns dann an der „scheinbaren“ Ähnlichkeit. Oder wir projizieren ein konträres Bild von uns in den anderen und bekämpfen dieses. Und jetzt wird es knifflig finde ich. Denn wie weiß man, ob die Rückmeldung der anderen, jetzt eine Seite von einem selber ist, oder nur eine Projektion vom anderen? Denn das Johari-Fenster wird ja immer beim Thema Selbstreflektion hergenommen. Zusätzlich schwingt mit, dass das Feedback von anderen notwendig, also unerlässlich ist, um sich selbst reflektieren zu können. Was ich aber intuitiv vollkommen falsch finde. Es erhöht nur die Idee, dass andere besser Bescheid wissen über dich, als du selbst über dich. Ich glaube das Johari-Fenster „stimmt“, aber die Interpretation ist unvollständig. Denn nicht alles was andere in uns sehen oder über uns mitteilen hat auch wirklich mit uns zutun. Nehme ich aber diese Rückmeldung jetzt ernst, oder sogar zu Herzen, dann kann das schwerwiegende Folgen haben. Das Feedback ist nicht gleich korrekt. Und auch nicht gleich eine Bereicherung, weil wir dann mehr über unser Unbewusstes herausfinden können, es kann auch einfach nur ein Wischiwaschi vom anderen sein. Zusätzlich glaube ich, dass diese vereinfachte Darstellung sowieso nur hergenommen wird, um Selbstreflektion bei Menschen zu implementieren, die das praktisch nie betreiben. Die also den Vorgang von dem Pendeln gar nicht kennen, und grundsätzlich nur starr aus ihren Augen hinaussehen. Für Menschen die das sowieso regelmäßig machen, kann diese „mangelhafte Interpretation“ schon recht irritierend sein.

4. Selbstreflektion ist nicht immer positiv. Irgendwann reichts auch einmal. Denn um was gehts jetzt wirklich, dass wir uns immer wieder zum Betrachtungsobjekt machen, damit wir herausfinden können, warum andere ein Problem mit uns haben? Oder geht es darum, dass wir herausfinden, wer wir sein wollen, einfach für uns? Lassen wir uns von anderen definieren, oder können wir uns selbst definieren? Wollen wir Nummer, Nachname, Ausbildung, Verhalten, Rang, Klicks, Krankheit, Status oder Ähnliches sein? Oder wollen wir Subjekt, Person, Charakter, Möglichkeit sein?

5. Wenn Wahrheit interpretierbar ist. Wenn Rückmeldungen von anderen Menschen auslegbar sind. Wenn weder eine einzige Sicht, noch viele Sichtweisen zwangsläufig ein richtiges Bild abbilden können, an was hält man sich dann? An subjektiv Empfundenes? Und auch hier wird es verwirrend, weil momentan Empfundenes nicht immer im Jetzt verankert ist. Kann uns das dann weiterhelfen? Und wo ist der Haken bei diesen Überlegungen? Brauchen wir überhaupt ein „richtiges“ Bild von uns selbst? Und ist nicht auch eine liebevolle Betrachtung eine „falsche“? Oder ist sie die Einzige die überhaupt Sinn macht, weil sie eben keine Objektive ist?

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