Vorwärts

Wir wünschen uns alle, dass wir erfüllt sind, dass unsere Bedürfnisse befriedigt sind. Wir wollen gesättigt sein. Wollen jeden Mangel von uns stillen.

Der Mangel treibt uns an, der Mangel bewegt uns. Er ist unsere Motivation, unser Antrieb nach vorne.

Aus was wir gemacht sind, alles was wir erlebt haben, bestimmt unsere Bedürfnisse. Bestimmt die Definition unseres ganz eigenen Mangelkonstrukts.

Wir wachen auf, und wollen jenes, und jenes nicht.

Nicht immer ist alles so eindeutig. Und manche Herzensangelegenheiten treten direkt einen Kampf an, gegen das Gewissen, gegen eingetrichterte Glaubenssätze, gegen aufoktroyierte Vernünftigkeit. So landet Vieles auf der Wartebank oder sogar direkt im Mülleimer.

Aber was passiert mit diesen Wünschen, mit diesen Bedürfnissen, mit diesen Träumen?

Was passiert mit uns, wenn wir diese klein machen, ignorieren oder als wertlos definieren?

Unsere Motivation wird beeinträchtigt, bis hin zur Starre. Wenn quasi jede Bewegung aussichtslos erscheint, dann entsteht ein Energiekollaps. Er macht sich immer sehr intensiv bemerkbar. Eine Unruhe entsteht. Gefolgt von intensiven Nachdenken, der Versuch die Situation mit Aktion (Denken) zu kontrollieren. Wenn dies auch fehlschlägt, was praktisch vorprogrammiert ist, dann macht sich das Gefühl der Hoffnungslosigkeit breit.

In dem Moment wünscht man sich nichts mehr als eine Antwort auf die Frage: „Was soll ich tun?“

Und genau diese Frage ist das Problem. Denn der Kampf entsteht, weil sich zwei Persönlichkeitsteile in einer Sache nicht einig sind. Einer der will, der andere der versucht es auszureden. Und stellt man sich die Frage „was man tun soll“, dann stellt man die Frage an den falschen Teil von sich, nämlich dem, der sowieso dagegen ist. An den Braven, den Zurückhaltenden, den Vernünftigen, den Sicherheitsbeauftragten. Und, ja, er ist wichtig, sonst würden wir wahrscheinlich vollkommen unkontrollierte Dinge tun. Aber er kann auch zu einem Tyrannen werden. Der einen nicht nur vor möglichen Verletzungen schützt, sondern auch vor Wachstum und Freude.

Nach einem Scheitern und noch einem und noch einem, ermüdet die Frustrationstoleranz. Und nicht jeder hat ein Repair-Kit in der Hosentasche eingesteckt. Nicht jeder hat ein unterstützendes Umfeld, Freunde und Familie die einem gut zureden, einem in den Arm nehmen, Halt geben.

Was können wir also ganz alleine tun?

Wir müssen verstehen lernen, dass wir nicht nur ein Recht auf diese Bedürfnisse haben, sondern auch eine direkte Verpflichtung, dass diese erfüllt werden. Eine Verpflichtung uns gegenüber. Und jedes Ignorieren gleichzusetzen ist wie Gewalt gegen uns selber. 

Unsere Bedürfnisse sind direkt mit unserer Lebensgeschichte verknüpft und somit auch direkt mit unserer Identität. Nach unseren wahren Bedürfnissen zu leben bedeutet also auch lebendig zu sein.

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